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In einem Flugzeug nahm der Wahnsinn seinen Lauf. In den Wochen zuvor hatte List, damals noch Geschäftsführer bei Radio Aachen, die Geschichte von Paul aufgeschrieben, anfangs nur so zum Zeitvertreib. Irgendwann aber fand der 40-jährige seine Story “so witzig, dass sie einfach verfilmt werden musste”. Allein, es fehlte an Geld, um das Projekt zu stemmen. List saß also im Flieger, blätterte in einer der Gratiszeitschriften und stieß auf einen Artikel über Ebay. Von dieser Stunde an war List erleuchtet. “Da wird doch alles versteigert, vom Kaktus über Autos bis hin zum Fliesenleger”, sagt der Aachener. “Warum soll das nicht auch mit Filmrollen gehen?” Es ging. Alle Zweifler wurden eines besseren belehrt. Sicher, der Anfang war nicht so einfach. “Es gibt bei Ebay ja keine Kategorie Schauspieler”, sagt List. Also hat er die Angebote unter “Kurioses” eingestellt und eine “Weristeigentlichpaul” - Website einrichten lassen. Von dieser gab es einen Link zum Auktionshaus. Die Ausbeute der Versteigerung war anfangs allerdings auch nicht rosig. Der erste Darsteller war bereit, gerade einmal 450 Euro zu zahlen. Da List 150.000 Euro für das Projekt veranschlagt hatte und die Hälfte davon aus den Versteigerungs-Erlösen der 24 Rollen aufgebracht werden sollte, schien die Rechnung erst einmal nicht aufzugehen. Doch List sollte wieder recht behalten. Im Schnitt war es den angehenden Schauspielern mehrere Tausend Euro wert, einmal die Luft am Set zu schnuppern. Hauptdarsteller Paul Littke ließ sich die Aussicht auf Ruhm und Erfolg glatte 38.050 Euro kosten. Der Mediziner wollte sich damit einen “unglaublichen Traum erfüllen” und vielleicht sogar “in eine neue Zukunft starten”. Die neue Zukunft, also der erste Drehtag, begann am 29.Mai 2004 mit einem Riesen-Chaos. Wen wundert´s? Keiner der beteiligten Schauspieler hatte je zuvor im Rampenlicht gestanden. List selber hatte ebenfalls keine Erfahrung als Regisseur. Zum Glück waren der Kameramann, die Beleuchter und die Visagistin Profis. Doch auch sie konnten den Neulingen die Aufregung nicht nehmen. Mittlerweile liegen 37 Drehtage hinter der Crew. Niemand kotzt mehr, keiner fällt mehr um. Auch die Szenen sind jetzt viel schneller im Kasten. 15 Wiederholungen, bis der Dialog endlich sitzt - das gehört der Vergangenheit an. Seinem Hauptdarsteller bescheiningt List sogar ein “außerordentliches Talent”. Allerdings, das muss der Berufs-Optimist dann doch einräumen, “kann ich das nicht von jedem hier behaupten.” Egal, die Stimmung in Aachen ist super. Alle haben Spaß, nicht nur beim Dreh. Zu Hause bei List gibt´s Würstchen und Flaschenbier, die Wohnung erinnert zeitweise an ein Ferienlager. Jeden freien Winkel hat Papa List mit Matratzen ausgelegt, damit einige aus der Schauspieler-Familie hier übernachten können. Andere haben sich in billigen Pensionen einquartiert. Man muss ja auf´s Geld schauen. Die Ersparnisse sind bei Ebay draufgegangen, und Gage gibt es auch keine. Nur wenn der Film zum Erfolg wird, erhalten die Mitwirkenden zwei Prozent des Umsatzes. Die Schauspieler nehmen das gelassen. Mehr noch: Das Projekt Paul hat alle regelrecht verzaubert. Die Bandbreite der Gefühlsregungen reicht von Euphorie bis hin zu einem unendlichen Staunen über die Auswirkungen der Berühmtheit: “Dass jetzt Mädchen vor meiner Haustüre auf mich warten und das Telefon nicht mehr still steht, hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet”, flötet der 20-jährige Dominik, der im Film den exzentrischen, machthungrigen Jan spielt. Kein Wunder, dass der letzte noch ausstehende Drehtag tiefe Wehmut erzeugt. Alle haben einen riesigen Einsatz geleistet. Hochzeitsreisen wurden verschoben, das Sparschwein geplündert, der Urlaub geopfert. Und bald soll das alles vorbei sein? Nein: List ist mitten in den Vorbereitungen für eine Wer-ist-eigentlich-Paul-Serie, ein “Bad Daily Soap”, wie er es nennt. Hauptdarsteller Littke wird sicher dabei sein. Und für alle anderen besteht die Chance, entdeckt zu werden, sobald der Film in die Kinos kommt. Mit einer Million Zuschauern rechnet List. Stardust-Chefin Veronika Morawetz will sich an solchen Spekulationen vorerst nicht beteiligen, ist aber grundsätzlich vom Erfolg des Films überzeugt. “Vor kurzem habe ich das erste Mal den Trailer gesehen”, sagt sie. “Ich musste herzlich lachen.” Und die Idee mit der Ebay-Auktion? “Ein genialer Streich.”
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Von Sabine Hölper |