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Daß Menschen monatelang in Containern wohnen oder viele, viele Lieder üben, um über Nacht zum Superstar zu werden, wundert niemanden mehr. Daß Schauspieler auf ihre üblichen Gagen verzichten oder sogar umsonst arbeiten, weil sie an den Film glauben, ist auch längst bekannt. Daß aber Laien bezahlen, um sich als Schauspieler zu versuchen zu dürfen, ohne dabei mehr als den vagen Umriß eines Drehbuchs zu kennen, das ist der neue Weg zum Ruhm. Der Mann, der auf diese Art und Weise den deutschen Film retten will, heißt Ralf List und kommt aus Aachen, er hat seinen Job als Geschäftsführer eines Lokalradios gekündigt, um endlich einen Film zu drehen, und wenn man es nicht im Internet auf deutsch nachzulesen wäre, müßte man das wohl für eine Geschichte aus Amerika halten.

Der Film soll “Wer ist eigentlich Paul?” heißen, und die Frage, welche der Titel stellt, läßt sich auch erst seit kurzem beantworten. “Paul” ist ein 38jähriger Arzt aus Freiburg, der nicht durch gezieltes Casting oder endlose Search Shows gefunden wurde, sondern bei Ebay 38.050 Euro dafür bot, “Paul” sein zu dürfen. Der Plot für “Paul” klingt so, als könnte der Film auch “Allein unter Männern” heißen oder “Der bewegte Paul” und schon vor zehn Jahren entstanden sein, denn der Hetero Paul wird von einer Wohngemeinschaft aus vier Homosexuellen aufgenommen. Diese Erfahrung soll ihn verwandeln, vom Loser zum Gewinner, vom Unsympathen zum Sympathieträger - so wie das halt in deutschen Komödien so geht. Ein Budget von 150.000 Euro hat List veranschlagt, die Hälfte bringt er selbst auf, die andere Hälfte soll durch die Versteigerung der Rollen reinkommen.

Hinter der Kamera hat List nur Profis beschäftigt, was sicherlich hilfreich ist, wenn ausschließlich Laien sich vor der Kamera bewegen und schwierige dramaturgische Probleme zu lösen sind wie jenes, daß ein Schweizer den Bruder einer Schwäbin spielt. Und weil das Ganze ein “work in progress” ist, ist auch die Rolle von WG-Mitglied “Klaus”, der laut Ausschreibung am liebsten karierte Baumfällerhemden trägt, noch offen - bis zum 13.Juli um zwölf Uhr mittags. Das letzte Gebot bei Redaktionsschluß lag bei 1550 Euro, und vielleicht ist das ja endlich mal eine Zukunftsinvestition, da der Regisseur mit zweieinhalb Millionen Kinozuschauern rechnet und seine Akteure mit zwei Prozent am Gewinn beteiligen will.

Aber leider, das muss man jetzt schon sagen, möchte Ralf List nach dem Erfolg nicht nach Hollywood, sondern nur ins Fernsehen, denn, so hat er der Münchener Tageszeitung “tz” erklärt, er träume davon, daß “Wer ist eigentlich Paul?” zum Pilotfilm einer Fernsehserie werde, bei der dann jede neue Staffel über Ebay besetzt wird. Da muß halt der deutsche Film doch noch etwas warten, bis er gerettet wird. Oder einfach mitbieten.

von Peter Körte