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Casting per Ebay: Ohne Geld spielt keiner eine Rolle
AACHEN. Gestern noch Natursteinplatten poliert, heute ein Kinostar: Die 24-jährige Jasmina Bozic hat dafür Sparschwein und Papa´s Portemonnaie
geplündert. Für exact 9050 Euro ersteigerte sich die Amateur-Mimin die weibliche Hauptrolle “Lara” im Kinostreifen “Wer ist eigentlich... Paul?”. “Wer ist eigentlich so bescheuert?”, fragen sich indes einige Gäste
im Aachener Szenelokal Café Madrid. Sie werden unfreiwillige Zeugen des ersten Drehtags - und eines beeidruckenden Medientrubels. Acht TV-Teams halten mit drauf, wenn die “Digi-Beta-Kamera” des Filmteams im
Kinoformat die Takes aufzeichnet. Drehbuch-Dialog am Tresen, Studenten-Smalltalk am Nebentisch. Weniger die Story als das ungewöhnliche Konzept des Null-Budget-Films ist bestes Boulevard Material für die
einschlägigen Magazine von NTV über Pro7 bis RTL. “Also um ehrlich zu sein: Bisher habe ich viel mehr Interviews für Fernsehteams gegeben, als Sätze im Film gesagt. Aber das gehört wohl irgendwie dazu”, sagt
Jasmina. Verursacher des Rummels ist der Aachener Ralf List - früherer Geschäftsführer eines lokalen Radiosenders, heute Filmproduzent. “Nachdem ich das Drehbuch für die Komödie geschrieben hatte suchte ich nach
einem Weg, dieses Projekt zu realisieren - ohne Budget”, erklärt der 40-Jährige. Seit Monaten vergibt er Haupt- und Nebenrollen an Höchstbietende über die Auktionsplattform eBay. “Bei Ebay wird doch alles vom Kaktus
bis zum Fliesenleger versteigert - warum also keine Kinorollen?” 13 Zuschläge gab´s schon: Von 451 bis zu “Laras” 9050 Euro. Elf sind noch fällig. Am Donnerstag Abend dümpeln die Gebote für die aktuelle Offerte
“Bernd” noch bei rund 50 Euro dahin. Er ist einer der vier schwulen Freunde, die laut Story den Verlierertypen “Paul” aufpäppeln. Mitbieten darf jeder, der kein Schauspiel-Profi ist. Die meisten Mitglieder der aus
ganz Deutschlang und der Schweiz angereisten Laienschar schauspielern zum ersten Mal. Natürlich wirkt das zuweilen ähnlich talentiert wie ein Konzert von Daniel Küblböck. “Das macht aber den besonderen Charme der
Produktion aus, wir wollen authentische Charaktere”, betont List, der auch Regie führt. “Entweder das Ding wird Kult oder die Sache floppt in nicht überbietbarer Peinlichkeit”, orakelt eine TV-Journalistin vor Ort.
Doku-Soaps mit Laien-Darstellern haben sich schließlich schon mehrfach zu überraschenden Quotenhits hochgeflimmert. Die Komödie “Wer ist eigentlich ... Paul?” will aber nicht als TV-Trash, sondern als 90-minütiger
Kinofilm Schlagzeilen machen. Und natürlich Kasse. Wenn das Projekt erfolgreich läuft, stecken die Darsteller zwei Prozent der Erlöse ein. “Ich verhandele derzeit mit verschiedenen Verleihern, die den Film in
deutsche Kinos bringen wollen”, sagt List. Die PR-Maschine läuft wie geschmiert. Zum Ende des Jahres soll die Geschichte im Kasten sein, dann könnte im Frühjahr 2005 der rote Teppich ausgerollt werden. So weit denkt
Daniel Trick aus Stuttgart heute noch nicht. Der 26-jährige darf für 2730 Euro “Peter” mimen. Am Set überlegt er laut, ob sein Schwäbeln und der Schweizer Akzent seiner Filmschwester Daniela aus Bern Glaubwürdigkeit
kostet. Die Handlung spielt in Köln. “Da müssen wir uns im Drehbuch noch was Einfallen lassen”, setzt der Student auf die Flexibiliät von Autor List. Der genießt hier übrigens einen äußerst seriösen Ruf. Das Gefühl
von windigen Geschäftemachern per Internet abgezockt zu werden habe er nie gehabt, erzählt Daniel. “Da waren ja immer so viele Medien, deswegen habe ich mir nie Sorgen gemacht - das Ganze ist eine Riesen-Chance.”
Heute trifft das Team weitere Film-Neulinge. Im Pinguin-Gehege des Aachener Tierparks geht der zweite Drehtag über die Bühne. Die tierischen Frackträger dürfen übrigens kostenlos dabei sein.
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