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Dem Reiz des Unbekannten erlegen (10. April 2004, von Oliver Berger, “Sarganser Länder”, Schweiz)
Zwischen 24 und 35 Jahre alt, 168 bis 180 Zentimeter groß, schlank bis mittelkräftig, braune oder schwarze Haare: Andres Hartmann entspricht den
Vorgaben, die Regisseur Ralf List für die Figur des Christian in seinem Film “Wer ist eigentlich Paul?” vorgeschwebt haben. Der 24-jährige, der kürzlich von Malans nach Untervaz umgezogen ist, hat mit der Figur, die
er in Ralf Lists Werk spielen soll, auch sonst etwas gemein. “Christian ist Modeverkäufer, und ich interessiere mich für Mode”, verrät Hartmann. “Vom letzten Ladenbummel bin ich mit einer größeren Einkaufstasche
zurückgekommen als meine Freundin. Allerdings, so Hartmann, gebe es auch Wesenzüge des Filmcharakters, die er nicht teile:”Die Arroganz werde ich spielen müssen.” Das nötige Rüstzeug in darstellerischer Hinsicht
wird sich der Bündner vor den Dreharbeiten in einer Art “Schauspieler-Schnellbleiche” holen. Hartmann steht zwar eine Nebenrolle in einem - schon im Vorfeld viel diskutiertem - deutschen Film bevor,
Schauspielerfahrung hat er aber nicht. “Von meiner Arbeit beim Rheintaler Lokalsebder Radio Ri her bin ich zwar gewöhnt, vor Leuten auf der Bühne zu stehen, die Kamera wird für mich aber eine neue Erfahrung sein.”
Vor die Kamera wird Hartmann im Sommer treten, wenn die Dreharbeiten zu “Wer ist eigentlich Paul?” beginnen. Bereits in den nächsten Wochen stehen für
ihn aber Probeaufnahmen in Aachen (Deutschland) an. Erst seit gestern ist offiziell, dass der Bündner beim Film mit von der Partie ist. Zu seiner Rolle ist er nämlich nicht auf dem üblichen Weg über ein sogenanntes
Casting gekommen, sondern er hat sie beim Internet-Auktionshaus Ebay für rund 1900 Franken ersteigert. “Ich bin der dritte Schweizer, der den Zuschlag für eine der total 24 Rollen erhalten hat”, erklärt er. Mit
seiner Berner Kollegin, die schon früher eine Rolle ersteigert hat, werde er sich demnächst treffen. Neben den Schauspielern wird auch die Mehrheit der übrigen Beteiligten über das Internet gesucht. Inzwischen, so
Hartmann, werde dem Projekt in Deutschland ein Desaster prophezeit. “Ich bin aber optimistisch, dass das Ganze erfolgreich werden könnte”, so der Bündner. Schließlich sei auch die Schweizer RS-Komödie “Achtung,
fertig, Charlie” mit zahlreichen Laiendarstellern realisiert und trotzdem ein riesiger Erfolg geworden.”Das könnte mit “Wer ist eigentlich Paul?” auch passieren, zumal sich die deutschen TV-Stationen RTL und SAT1
bereits stark mit dem Thema beschäftigen.
Das Unkonventionelle am Projekt war es schließlich auch, das Hartmann besonders gereizt hat. “Ich mache gern verrückte Sachen” , gibt er zu. “In der
Schweiz haben wir manchmal zu viel Angst davor die gewohnten Pfade zu verlassen: dabei muss man doch auch einmal etwas riskieren.” Neben seiner 100-Prozent-Anstellung bei Radio Ri wagt sich Hartmann in seiner
Freizeit auch aufs Parkett der Musikindustrie, wie er erklärt. Seit geraumer Zeit zeichnet er mit für die Organisation des Bad Ragazer Quellrock-Open-Airs verantwortlich. In der Medienwelt gefällt es dem Bündner,
der vor seiner mittlerweile drei Jahre dauernden Zeit bei Radio Ri für das Fernsehen gearbeitet hat, ausnehmend gut. Derzeit bereitet er sich seine Prüfungen als Marketingplaner vor; die Ausbildung hat er neben
seinen übrigen Aktivitäten absolviert. Von seinem Filmauftritt verspricht sich Hartmann nicht die grosse Karriere in Hollywoods Glitzerwelt. “Falls sich durch den Auftritt in “Wer ist eigentlich Paul?” für mich
etwas ergibt, dann ist das erfreulich. Erwarten tue ich so etwas aber nicht.” Vielmehr gehe es ihm darum, eine neue Erfahrung zu machen und gleichzeitig die Filmbranche näher kennen zu lernen. Allerdings gibt der
24-jährige durchaus zu, dass ihn das Filmgeschäft reizen würde. “Und wer weiß?! Beim Film läuft ja vieles über Beziehungen...” Dass nach “Music-Stars”-Siegerin Carmen Fenk ein weiteres Mitglied des Radio Ri-Teams
den Sprung in die Welt von Glamour und Show unternimmt, bezeichnet Hartmann als Zufall. “Carmen ist ein Showstar, ich bin es sicher noch nicht.” Allerdings freue er sich sehr auf die Arbeiten am Film - und auf seine
Rolle: “Fast am meisten hat mich an “Christian” gereizt, dass er ein humorvoller, witziger Charakter ist, der die Leute über den ganzen Film immer wieder zum Lachen bringen soll.”
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